Social Media Detox – eine Woche ohne Instagram, Twitter und Co.

Handy, Social Media

Ich bin leider einer der Menschen, die ihr Handy fast ununterbrochen in der Hand haben und zwischen den Social Media Apps hin und her switchen. An einem Wochenenden-Tag kann das schon mal eine Bildschirmzeit von bis zu sechs Stunden bedeuten.

Aus Gewohnheit entsperre ich viel zu oft mein Handy, ohne überhaupt zu wissen, welche App ich eigentlich öffnen möchte. Das ganze läuft intuitiv ab. Ich bin süchtig – keine Frage. Alles unter dem Vorwand “Inspiration, Information und Entertaintment”. Damit belüge ich mich allerdings selbst. Denn ehrlich gesagt ist mir das in letzter Zeit alles zu viel geworden. Ich fühle mich von dem vielen Input überstättigt, schon fast überfordert. 

Deshalb habe ich mich selbst auf kalten Entzug gesetzt und beschlossen einen Social Media Detox zu machen: Sieben Tage lang kein Instagram, Twitter und Co. 


Was habe ich mir von einem Social Media Detox erhofft? 

Detox bedeutet übersetzt Entgiftung. Und im Grunde war genau das mein Ziel: Ich wollte nicht mehr jede freie Sekunde mit dem Blick auf den Bildschirm verbringen und mir beweisen, dass dadurch meine Lebensqualität steigt. 

Außerdem soll ein Detox viele weitere Effekte mitsichbringen: Stressreduktion, besseren Schlaf, Abgrenzung vom äußeren Druck und Idealen, Achtsamkeit, mehr Zeit, Produktivitätssteigerung und bessere Konzentration. 


Die Regeln: 

Alle sozialen Medien, oder Apps, die ich als solches verwende, wurden kurzerhand vom Handy gelöscht: Instagram, TikTok, Facebook, Pinterest, YouTube, Twitch, Twitter und Snapchat. Außerdem habe ich mir die Regel auferlegt keine Video-Streming-Anbieter übers Handy zu nutzen. 

Weiterhin erlaubt waren Spotify, Audible, Podcasts und WhatsApp. 

Da ich beruflich unteranderem einen Instagram- und Facebook-Kanal betreue, bin ich in dieser Woche leider nicht komplett um Social Media herumgekommen. Alles was mit Arbeit zu tun hatte, musste weitergehen und  war dementsprechend in Ordnung. Darunter ist aber eigentlich nur das kurze Posten von Inhalten gefallen. Durch Feeds zu scollen war verboten.


Wie ist es mir während meinem Social Media Detox ergangen?

Tag 1: 

Ich hatte eigentlich erwartet, dass mir der erste Tag am schwersten fällt. Dass ich unruhig bin, nicht weiß, was ich mit der freien Zeit anfangen soll oder an schrecklicher FOMO leide. Das war alles nicht der Fall. Im Gegenteil: Ich habe mich befreit und entspannt gefühlt. Der intuitive Griff zum Handy kam zwar noch häufig, aber damit habe ich gerechnet. Es war eine gute Entscheidung, die Apps vom Handy zu löschen. 

Tag 2: 

Der zweite Tag fiel mir schon schwerer. Die Mittagspause habe ich alleine draußen verbracht und tatsächlich war es sehr angenehm, mal nicht die ganze Zeit auf einen Bildschirm zu starren. Ich will aber nicht lügen, die Versuchung war da. 

Abends habe ich auf der Terasse zu Abend gesessen, die Sonne genossen, Musik gehört und gelesen – was ich unglaublich genossen habe. Ironischerweise ist mir der Gedanke in den Kopf geschossen, dass das eine schöne Story sein könnte. Also gleich das Handy in die Hand genommen und nach der App gesucht. 

Tag 3: 

Heute habe ich Call me by your Name zu Ende gelesen und ich hätte sehr gerne mit anderen über das Buch gesprochen. Da aber keiner meiner Freunden oder Bekannten Buch noch Film kennen, war das nicht möglich. Das ist eindeutig eine positive Seite an den sozialen Netzwerken: Man findet Leuten, die die gleichen Dinge mögen. Das fand ich in diesem Moment unglaublich schade. 


Über den Film Call me by your Name habe ich übrigens hier etwas geschrieben:

Oscar-nominierte Filme, die du gesehen haben solltest

Und trotzdem: Social Media ist eigentlich nur die Illustion von sozialen Kontakten. Man schreibt Kommentare, drückt auf Herzen und Daumen, aber wie viel tatsächliche Interaktion steckt wirklich dahinter?

Tag 4: 

Manchmal gibt es Lücken von 10 Minuten, beispielsweise bevor man das Haus verlässt. Normalerweiße würde ich diese 10 Minuten auf Instagram oder TikTok verbringen. Im ersten Moment war ich mit diesem kurzen Zeitfenster ein bisschen überfordert. Ich kann doch nicht nur da sitzen und nichts machen. Deshalb habe ich versucht diese Lücken entweder mit lesen zu verbringen, oder etwas effektives zu machen. Kurz etwas aufräumen zum Beispiel. In 10 Minuten ist einiges erledigt.

Tag 5: 

Seit langem esse ich mal wieder ohne mich von irgendwelchem Content berieseln zu lassen. Und ich merke: So langweilig ist das überhaupt nicht. Ich muss mich nicht in jeder möglichen Minute beschäftigen. Es tut wirklich gut in der Gegenwart zu sein, sich auf das Essen zu konzentrieren und seine Gedanken fließen zu lassen. 

Wochenende: 

Die meiste Panik hatte ich vor dem Wochenende. Denn hier verschwende ich die meiste Zeit mit dem banalem Scrollen von irgendwelchen Feeds. Stattdessen habe sehr viel mit Freunden unternommen, gelesen und gebacken. Nach den zwei Tagen hatte ich viel eher das Gefühl, das Wochenende ausgenutzt zu haben. Etwas was der Seele richtig gut tut und was ich weiterhin behalten möchte.

Fazit nach sieben Tagen ohne Social Media: 

Was habe ich vermisst?

Ehrlich gesagt habe ich gezögert, mir die Apps wieder aufs Handy zu laden. Das erste was ich mir wieder geholt habe ist Pinterest. Dort kann ich ehrliche Inspiration holen. YouTube, Instagram und der Rest kamen dann erst zwei Tage später. Tatsächlich hatte ich mit einem Aufkommen von FOMO gerechnet, getrieben von der ständigen Angst, etwas zu verpassen. Ich hätte erwartet, viel eher wissen zu wollen, was meine Freunde und Bekannte so treiben. Erstaunlicherweise war das nicht der Fall.

Was hat es mir gebracht? 

Mit hat diese Woche unglaublich gut getan. Ich traue mich an die vorsichtige Aussage, dass ich meinen Social Media Konsum drastisch senken werde – zumindest nehme ich mir das hiermit vor. Die Welt geht nicht unter, nur weil ich nicht jede Story oder jedes YouTube-Video gesehen habe. 

Außerdem habe ich schonungslos ausgemistet: Ich habe versucht zu reflektieren und allen Accounts entfolgt, die keinen Mehrwert für mich haben und ein schlechtes Gefühl hinterlassen. Was das genau bedeutet, muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden. Übrigens habe ich auch alle Push-Nachrichten ausgestellt. Alleine das kurze Aufblicken reicht aus, um mich sofort abzulenken und das Handy in die Hand zu nehmen. Aus 10 Sekunden werden dann schnell 10 Minuten. 

Ich möchte weiterhin das Lesen in meinen Alltag einbauen. Früher habe ich das sehr gerne und sehr viel gemacht und in dieser Woche habe ich meine Liebe dafür wiederentdeckt. Vielleicht führe ich hier auf isbackontrack einen kleinen Buchclub ein? Ein Buch pro Monat. 

Und am liebsten würde ich gerne weiterhin Social Media freie Tage in meine Woche einbauen. Am liebsten das Wochenende, weil ich dort den größten positiven Effekt gespührt habe. Wie realistisch das ist, bleibt abzuwarten. 

Ich würde ein Social Media Detox auf jeden Fall jedem empfehlen. 


Folge:

3 Kommentare

  1. 20. Juli 2020 / 8:45

    Vorab vielen Dank für den gelungenen Artikel. Dein Experiment war sehr interessant. Das Handy ist mittlerweile viel zu sehr in unseren Alltag und unsere Freizeit integriert. Während es früher bei den Kindern Stubenarrest gab, hat es sich zum Handyverbot weiter entwickelt. Handyfreie Zeit gibt es fast gar nicht mehr. Dabei gibt es noch so viele schöne Sachen, die ohne Handy mit der Familie gemacht werden können. Bleib gesund und freue mich auf neue Beiträge von Dir.

    • Inka
      Autor
      20. Juli 2020 / 10:29

      Vielen Dank für deinen lieben Kommentar, Barbara! Du hast Recht, manchmal muss man das Handy auch einfach mal beiseite legen 😊

  2. 25. Juli 2020 / 10:15

    Hi Inka,
    wow, richtig stark, eine Woche ohne Social Media durch zu ziehen! Ich weiß nicht, ob ich das schaffen würde, aber das liegt wohl an mangelndem Drive dafür…aber sechs Stunden am Tag sind natürlich ein Wort, da würde ich es vermutlich auch einfach mal wagen! Jedenfalls finde ich deinen Beitrag inspirierend und er macht durchaus nachdenklich im Hinblick auf das eigene Nutzungsverhalten. Vielleicht fange ich mal mit einem Tag an 🙂
    Liebe Grüße!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.